Opus 88

Den Stift, den ich hier vorstellen möchte, habe ich als Leihgabe bekommen. Ich hatte vor gut einem Monat ein paar Proben und einen Nachfolger für mein Tintentestheft bei Anja bestellt. Bei Lieferung war ich im ersten Moment über die größe der Box erstaunt, Ich hatte etwas kleineres erwartet. Um so größer war das Erstaunen beim Öffnen der Box.
Anja und ich hatten vor einer Weile den Hersteller Opus88 diskutiert. Ich kenne Opus88 als taiwanesischen Hersteller aufwendig produzierter Füllfederhalter mit Urushi Lackierung. Ich selbst besitze einen Opus88 Classic Starry, der sehr hochwertig und ansprechend in rotem Urushi lackiert ist. Was ich nicht wußte, Opus88 unterstützt wohl schon sehr lange in OEM Arbeit namenhafte Hersteller in der Lackierung und Produktion eben dieser Urushi Stifte. Namentlich ist mir da Namiki bekannt, auch wenn dies nicht offiziell bestätigt ist.

Der Koloro, den ich hier vorstellen möchte, steht aber im deutlichen Konstrast zu dem, was ich bisher kannte. Es handelt sich eben nicht um einen Urushi Stift, sondern um eine Kombination aus Ebonit und Acryl. Anders als mein Classic, handelt es sich beim Koloro auch um einen Eydropper. Als Feder kommt eine #5 aus deutscher Produktion, WIN ist der Hersteller, was mir nicht viel sagt. Anja hat mir mittlerweile bestätigt, dass hinter WIN JoWo steht. Es ist also eine JoWo Feder in dem Stift. Im Vergleich zu einem TWSBI Eco, sehen sich die Federn sehr ähnlich.
Der Stift kommt in einer sehr schönen Geschenkschatule, zusammen mit einer Pipette, die ja zum Befüllen notwenig ist. Der Stift ist in vier Farben erhältlich, Orangegelb, Rot, Blau und, wie mein Testexemplar, in einem sehr dunklen schwarzgrünen Acryl mit braunen Ebonit Akzenten. In meinen Augen die farblich schönste Variante.

Opus 88 Koloro, Fine Writing Instruments

Außer der Leihstellung und der damit verbundenen Bitte den Stift auszuprobieren, habe ich keine weiteren „Auflagen“ von Anja bekommen. Zum letzten Frankfurter Treffen, ist der Stift auch wieder in die Hände des Besitzers zurück gelangt. Ausser dem Vorteil den Stift ausprobieren zu können, habe ich also keine weiteren Vorteile „genossen“. Daher, mein Interesse hier, ist nur der Stift selbst und meine Erfahrungen, die ich jetzt über drei Wochen des Schreibens gesammelt habe.

Opus 88 Koloro

Die grundlegenden Fragen bei so gut wie jedem Stift, aus meiner Sicht, sind meist:

  • Passt die optische Aufmachung des Stiftes?
  • Wie schreibt der Stift?
  • Wie praktisch ist der Stift?
  • Wie ist das Preis-/Lesitungsverhältnis des Stiftes?
  • Ist das ein Stift für mich?

Zumindest sind dies mal die Punkte, nach denen ich diesen Review gestalten möchte. Neutral geht so etwas in meinen Augen so wie so nicht und ich vemrute ist es auch nicht gewollt. Ich vermute schon, dass Anjas Intention war meinen persönlichen Eindruck zu bekommen, den ich auch gern teilen möchte.

1. Passt die optische Aufmachung des Stiftes?

Die Idee hinter dem Stift, ist offensichtlich etwas massentauglicheres anzubieten als das 800$ Ursushi Unikat. Ich weiß nicht in wie weit ein Eyedropper diesen Ansatz unterstützt, aber zumindest in meiner Farbvariante passen Optik und initale Haptik. Ich hatte vorher schon Bilder gesehen und war nicht so überzeugt. Hat man den Stift aber in der Hand, fühlt er sich aber gut und wertig an. Etwas zu leicht für meinen Geschmack, aber so viel ist halt auch nicht dran an dem guten Stück. Ich muss sagen, ich habe haptisch etwas mehr von den Ebonitelementen erwartet, sie fühlen sich sehr glatt an, aber am Ende liegen diese auch in Bereichen, die für das Schreiben kaum relevant sind, nur zum Öffnen und Schliesen der Kappe und des Ventils am Ende des Stiftes. Das Design des Sfites ist stimmig, wie man so gern sagt. Er liegt gut in der Hand. Ich habe im Grunde nichts gefunden was mich stören würde. Ein gelungener Stift.

Opus 88 Koloro, das Set

2. Wie schreibt der Stift?

Ich habe natürlich ein paar Schriftproben angelegt und natürlich auch verschiedene Tinten ausprobiert. Ich habe hier auch mit Absicht zwei Tinten gewählt, von denen ich wußte, dass ihr Verhalten ziemlich verschieden ist und ich so einen besseren Eindruck bekomme wie die Feder sich verhält. Mein Stift hat, wie oben schon erwähnt, eine #5 Feder aus deutscher Produktion in Strichbreite M. Na ja, mein Eindruck beim Schreiben war eher eine asiatische M als eine deutsche. Die Feder schreibt für meinen Geschmack zu schmal für eine M, das ist eher eine F als eine M. Ansonsten schreibt sie sauber und flüssig, soweit ich das prüfen konnte, auch unabhängig vom Füllstand des Stiftes und mit allen getesteten Tinten. Die Feder ist für mein Gefühl eher auf der nassen Seite, ich habe sowohl mit einer trockeneren Tinte als auch mit den nassen hier einen schönen feuchten Strich gezogen. Also aus der Sicht passt das für mich.
Die Feder ist eine Stahlfeder und sie verhält sich auch genau so, sie schreibt glatt und flüssig, gibt aber wenig Feedback oder gar flex. Das mag man oder eben auch nicht, da ist wenig überraschendes im Paket versteckt.
Eine passende Besprechung, Cross Violet, die mit dem Stift verfasst ist, veröffentliche ich zeitnah.

Opus 88 Koloro, die #5 JoWo Feder

3. Wie praktisch ist der Stift?

Eine sehr gute Frage, die mir hier schwerer fällt zu beantworten. Nehme ich den Eyedropper mal als gesetzt, empfinde ich ihn als sehr praktisch. Durch einen Mechanismus im Stift, schliesst er dicht ab, ähnlich wie ein Vacumfiller. Das bedeutet auch, dass man ihn aufdrehen muss wenn man länger schreibt. Denkt man nicht daran, kommt man ungefähr eine halbe A4 Seite weit, bevor der Tintenfluß versiegt. Durch diesen Mechanisums ist auch das Auslaufen so gut wie unmöglich, da der Tank dicht abegschlossen ist. Und, der Tank verdient seinen Namen. Ich habe nicht mit der Pipette, sondern mit einer Spritze befüllt, 3ml gehen da gut rein. Gigantisch viel im Vergleich zu einer Patrone oder einem Konverter und immer noch deutlich mehr als in einen Kolbenfüller gleicher Größe passt. Ich habe auch die typischen Schwächen eines Eyedroppers versucht zu provozieren, also wenig Tinte, kühl gelagert, schnell in der Handfläche erwärmen. Außer kräftigem Schütteln und Schreiben nachtürlich quetscht nichts die Tinte aus dem Stift, wenn er verschlossen ist sowieso nicht. Das Konzept an sich ist also technisch sehr sauber umgesetzt.
Bleibt halt das Konzept per se. Ich schreibe regelmäßig mit Eyedroppern und Vacumfillern, daher ist der Umgang für mich Normalität. Das macht einen Eyedropper allerdings nicht per se „normal“ oder alltagstauglich. Das Potenzial zur großen Sauerei ist hier funktionisbedingt natürlich viel größer als es bei einem Patronen- oder Kolbenfüller ist. Im Umkehrschluss erlaubt aber genau dieses technische Konzept eine deutlich vereinfachte Reinigung des Stiftes. Der Tank ist durch das abnehmbare Mundstück halt sehr gut erreichbar. Ich habe das jetzt mit vier verschiedenen Tinten ausprobiert und war in allen Fällen deultich zügiger als sonst durch mit dem Reinigen.

Opus 88 Koloro, die mitgelieferte Pipette

Am Ende steht und fällt, in meinen Augen, die Praxistauglichkeit mit dem persönlichen Verhältnis zum technischen Konzept des Stiftes. Kann man Eyedropper leiden, dann ist der Stift praktisch, kann man das nicht, dann ist man hier nicht gut beraten.

4. Wie ist das Preis-/Lesitungsverhältnis des Stiftes?

Darüber habe ich lange nachgedacht. Der Stift ist so in der Region zwischen 70 und 80€ angesiedelt. Da war bei mir fast augenblicklich die Assoziation zu TWSBI da, die kommen halt auch aus Taiwan und haben auch die deutsche Feder im Konzept. Schiele ich da auf den Preis, bin ich bei einem 580AL, einem Kolbenfüller, der die entscheidenden mechanischen Teile alle aus Aluminum liefert. Und gerade mit dem Wissen um die Probleme die TWSBI an den Kunstoffverschraubungen hatte, blicke ich mit Sorge auf den Koloro. Möchte man schreiben, muss man das Ventil am Ende des Stiftes öffnen, eine Kunstoffschraube in einem Kunststoffgewinde. Zum Befüllen muss das Mundstück vom Korpus getrennt werden, ebenfalls eine Kunststoff in Kunststoff Verschraubung. Nicht falsch verstehen, das ist wertig ausgeführt, aber dünnwandig. das verhält sich mit dem gesamten Ventilmechanismus ähnlich, dieser ist komplett aus Kunststoff, wo ich bei dem Preis mal zumindest die Achse, die die Schrauben am Ende mit dem Ventil am Mundstück verbindet, aus Metall erwartet hätte.
Natürlich kommt da auch das Ebonit Argument auf, aber der Stift ist halt zum entscheidenden Teil aus Acryl und nur die Akzente aus Ebonit.
Wir sind hier immer noch deutlich unter der 100€ Schwelle, eine Gold- oder Titanfeder steht hier nicht zur Debatte, aber die Feder ist halt eher die aus dem Eco als die aus dem 580.

Kurzum, der Preis ist ok, aber ein Schnäppchen ist es nicht.

5. Ist das ein Stift für mich?

Grundsätzlich, ja er ist etwas für mich. Von dem was ich gelesen hatte, bevor ich den Stift praktisch ausprobiert hatte, war ich eher sehr skeptisch ob das für mich funktioniert. Aber ich bin jetzt gut 15.000km damit geflogen und durch die Gegend gefahren, habe gut 60 A4 Seiten damit geschrieben und bin damit zufrieden. Der Fairness halber, ohne die Gelegenheit, die Anja mir gewährt hat, wäre ich wahrscheinlich nicht einmal auf den Stift aufmerksam geworden, so bekannt ist Opus88 ist die Marke ja nicht und meinen Classic Starry habe ich in Korea erworben, für mich ist das also eher mit Korea als mit Taiwan assoziiert.

6. Fazit

Kurz und knackig, schöner, aber etwas teurer Stift. Ist eine feine Sache, wenn man Eyedropper mag.

Opus 88 Koloro

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